Writing

Since 2016 Lorina Speder has been writing for Der Tagesspiegel, Der Freitag, taz.die tageszeitung, Vogue Germany, Die ZEIT and other magazines. Her articles cover literature and exhibition reviews, portraits of artists, concert and album critics as well as essays about capitalism, society and art. She received the Karl Gerold Foundation Study Grant (2019) for her journalistic writing and the VG Wort scholarship (2021) for the poems that she recorded with The Mind Is Complex.

This is a selection of her lyrics, poetry and journalistic work.

Gespiegelt, The Mind Is Complex 2021.

Weißt du denn nicht, dass ich für dich schauen kann?

Glasklar, so wie gespiegelt
prallst du an dir selbst ab
Was du nicht siehst
ich erkenn dich

Und aus dich wird mich wird ich wird du.

Die Zeitung, 2021.

Ich zerriss
ihr Papier
und erkenne
Berge in mir

ich sehe Landschaft arrangiert

und lege Töne
forme Farben
bis ihre Zeilen
fremder Worte
blass werden

überspielt.

 

 

Mein tiefster Schrei, Der Freitag, 2021.

“(Clarice) Lispector war fähig, eine gefühlte Wirklichkeit und Wahrheit zu erkennen und niederzuschreiben. „Entweder berühren meine Geschichten, oder nicht“, fasst Lispector ihre Werke in ihrem letzten und einzigen Fernsehinterview zusammen. Sie erzählt dann von einem Lehrer, der Die Passion nach G. H. vier Mal gelesen habe und nicht verstand, um was es ginge. Einen Tag später habe ihr eine 17-jährige Teenagerin gesagt, dass jenes Buch ihr Favorit sei. „Ich glaube, es ist nicht eine Frage der Intelligenz“, schlussfolgert die Autorin, „es geht um Gefühle und um das Eingehen einer Verbindung.“

Gedanken in der Ruine, taz.die tageszeitung, 2020.

(…) “Heute ist es schwer, in moderner Architektur das Schöne zu erkennen, so dominant strahlt sie Macht und Machtgefälle aus. Dieses Gefühl breitet sich auch beim Umhergehen in der Klosterruine aus. Der Kapitalismus und die drohende innere Leere sind nicht weit entfernt. Auf der anderen Seite der Grunderstraße kann man in den nüchternen Rathaus – Passagen shoppen.”

Eine Jugend in Peking, zitty, 2020.

“Wenn Ren Hang sagt, dass er für seine Bilder nicht von der Gesellschaft ausgestoßen werden möchte, dann glaubt man ihm das. Er wollte, dass jede*r einzelne die eigene Nacktheit und die anderer akzeptiert. Weil der Künstler auf Titel und Jahre verzichtete, werden aus den Momentaufnahmen Werke, die für seine Utopie stehen.”

Ich frage, Present Square, 2019.

Ich frage dich
Kannst du nicht?

ruf dich
hörst du nicht
such dich
siehst du nicht
bezwing dich
schaffst du nicht

aber Ich frage Dich
Kannst du nicht?!

Ich sehe, Present Square, 2019.

Ich sehe nur das, was ich will
Erkenne nur das, was ich bin
Ich sehe nur das, was ich kann

Versteh mich doch
Verstehst du denn nicht?

Wenn ich dich sehe, dann seh ich nur mich.

Hot, igitt, Der Freitag, 2019.

“Auf der Straße kann man beobachten, was Kleidung aus Körpern macht. Da werden Schultern durch Polster eckig, Taillen verschwinden unter Stoff. Getrimmte Körper wirken getrimmter. Wie Textil in den Körper einschneiden kann, ihn formt und ihm den Atem nimmt, das betrachtete die Künstlerin Christina Ramberg genauer.”