Writing

From 2016 until 2021 Lorina has been writing for Der Tagesspiegel, Der Freitag, taz.die tageszeitung, Vogue Germany, Die ZEIT and other magazines. Her articles covered literature and exhibition reviews, portraits of artists, concert and album critics as well as essays about capitalism, society and art. After finishing her literature and art history studies in 2020 she is focussing on writing lyrics and poems for her artistic projects.

She received the Karl Gerold Foundation Study Grant (2019) for her journalistic writing and the VG Wort scholarship (2021) for her poems that she recorded unter the name The Mind Is Complex.

This is a selection of her lyrics, poetry and journalistic work.

Damals, The Mind Is Complex, 2022.

Sei doch mal
Mach doch mal
Kannst du nicht
Wie das war
Damals?!

Die Nostalgie lauert überall
Kann mich nicht verhalten wie damals
Vor 10 Jahren
Vor 10 Jahren
War damals

Andere Person
Anderer Style
Anderes Brain
Anderer Vibe
Als Damals

In 10 Jahren alle Zellen neu
Mein Skelett komplett regeneriert
Ich freue mich über Biologie
Und du blickst auf damals

Doch Stehenbleiben und Bequemlichkeit
Lassen die Zeit vorbeiziehen
Sie tickt im Rhythmus und reiht sich ein
Und alles bleibt so wie damals
BORING

Doch ich will die Explosion
Durch mich muss ein Ruck gehen
Kein Gift für Visionen
Botox meiner Uhren
Sondern
Ich brauch den Wechsel
Bunte Farben und Echtheit
Keine Money Machine und Clickbait
das TikTok als Click Rate
Keine Welt voller Plastik
So Coinbase fantastisch
und alles hat Wert
doch Hauptsache Geld
Am besten noch mehr als
Damals
Als alles noch gut war
Damals

Bereit, The Mind Is Complex, 2022.

bin allzeit bereit
ich mein das, bis gleich
ich bin allzeit bereit
I’ll be there in no time

ein leben ohne machen
versuchen, dann lassen
gerede ohne lachen
what’s the point?

will laufen rennen suchen
bewegung in mir rufen
will alles probieren
und dabei kreieren
was durch mich passiert
ja, that’s the point
deshalb

bin allzeit bereit
ich mein das, bis gleich
ich bin allzeit bereit
I’ll be there in no time

I’ll be there in no time
to find what feels better
to see what really matters
I’m bored with a routine
I’ll look for a new feel
deshalb

bin allzeit bereit
ich mein das, bis gleich
ich bin allzeit bereit
I’ll be there in no time

Low, The Mind Is Complex, 2022.

Wie bin ich drauf
versteh meinen Kopf nicht
bin wieder mal anxious
mein Jogging Outfit
fühlt sich eng an
und wird zu nem Korsett Wahn

Die Luft abgeschnürt
als falle ich tief
Brustkorb versperrt
und Schwere in mir
sind Hormone im Spiel?
denk ich zu viel?
weiß ich doch nicht
aber es ist klar

Ich bin heute nicht im Flow
und alle fragen mich nur Wieso?
Doch ich fühle mich zu low

Es ist was es ist
ich fühl mich zu low
um Fragen zu fragen
und Wahrheit zu ahnen

Und so wie es ist
muss ich Fragen vertagen
und ganz langsam atmen

Denn das was es ist
kann meine Wahrheit verzerren
Doch ich will nicht verzagen
Ich will nicht verzagen

Gespiegelt, The Mind Is Complex 2021.

Weißt du denn nicht, dass ich für dich schauen kann?

Glasklar, so wie gespiegelt
prallst du an dir selbst ab
Was du nicht siehst
ich erkenn dich

Und aus dich wird mich wird ich wird du.

Die Zeitung, 2021.

Ich zerriss
ihr Papier
und erkenne
Berge in mir

ich sehe Landschaft arrangiert

und lege Töne
forme Farben
bis ihre Zeilen
fremder Worte
blass werden

überspielt.

(Poems above funded by VG Wort / Neustart Kultur)

Mein tiefster Schrei, Der Freitag, 2021.

“(Clarice) Lispector war fähig, eine gefühlte Wirklichkeit und Wahrheit zu erkennen und niederzuschreiben. „Entweder berühren meine Geschichten, oder nicht“, fasst Lispector ihre Werke in ihrem letzten und einzigen Fernsehinterview zusammen. Sie erzählt dann von einem Lehrer, der Die Passion nach G. H. vier Mal gelesen habe und nicht verstand, um was es ginge. Einen Tag später habe ihr eine 17-jährige Teenagerin gesagt, dass jenes Buch ihr Favorit sei. „Ich glaube, es ist nicht eine Frage der Intelligenz“, schlussfolgert die Autorin, „es geht um Gefühle und um das Eingehen einer Verbindung.“

Gedanken in der Ruine, taz.die tageszeitung, 2020.

(…) “Heute ist es schwer, in moderner Architektur das Schöne zu erkennen, so dominant strahlt sie Macht und Machtgefälle aus. Dieses Gefühl breitet sich auch beim Umhergehen in der Klosterruine aus. Der Kapitalismus und die drohende innere Leere sind nicht weit entfernt. Auf der anderen Seite der Grunderstraße kann man in den nüchternen Rathaus – Passagen shoppen.”

Eine Jugend in Peking, zitty, 2020.

“Wenn Ren Hang sagt, dass er für seine Bilder nicht von der Gesellschaft ausgestoßen werden möchte, dann glaubt man ihm das. Er wollte, dass jede*r einzelne die eigene Nacktheit und die anderer akzeptiert. Weil der Künstler auf Titel und Jahre verzichtete, werden aus den Momentaufnahmen Werke, die für seine Utopie stehen.”

Ich frage, Present Square, 2019.

Ich frage dich
Kannst du nicht?

ruf dich
hörst du nicht
such dich
siehst du nicht
bezwing dich
schaffst du nicht

aber Ich frage Dich
Kannst du nicht?!

Ich sehe, Present Square, 2019.

Ich sehe nur das, was ich will
Erkenne nur das, was ich bin
Ich sehe nur das, was ich kann

Versteh mich doch
Verstehst du denn nicht?

Wenn ich dich sehe, dann seh ich nur mich.

Hot, igitt, Der Freitag, 2019.

“Auf der Straße kann man beobachten, was Kleidung aus Körpern macht. Da werden Schultern durch Polster eckig, Taillen verschwinden unter Stoff. Getrimmte Körper wirken getrimmter. Wie Textil in den Körper einschneiden kann, ihn formt und ihm den Atem nimmt, das betrachtete die Künstlerin Christina Ramberg genauer.”